Günter Gaus, Hannah Arendt gesprächsweise 1964 am Geländer Unpolitischen entlangehangelt

 

Hannah Arendt im Gespräch mit Günter Gaus
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Das Gespräch in der Reihe „Zur Person“ von Günter Gaus mit Hannah Arendt wurde am 28. Oktober 1964 vom SWF ausgestrahlt.

Wortwörtlicher Auszug:

Günter Gaus: Frau Hannah Arendt, Sie sind die erste Frau, die in dieser Reihe vorgestellt werden soll. Die erste Frau, wenn auch freilich mit einer nach landläufiger Vorstellung höchst männlichen Beschäftigung: Sie sind Philosophin. Ich komme von dieser Vorbemerkung zu meiner ersten Frage: Empfinden Sie Ihre Rolle im Kreis der Philosophen, trotz der Anerkennung und des Respekts, die man Ihnen zollt, als eine Besonderheit – oder berühren wir damit ein Emanzipationsproblem, das für Sie nie existiert hat?
Hannah Arendt: Ja, ich fürchte, ich muß erst einmal protestieren. Ich gehöre nicht in den Kreis der Philosophen. Mein Beruf – wenn man davon überhaupt noch sprechen kann – ist politische Theorie. Ich fühle mich keineswegs als Philosophin. Ich glaube auch nicht, daß ich in den Kreis der Philosophen aufgenommen worden bin, wie Sie freundlicherweise meinen. Aber wenn wir auf die andere Frage zu sprechen kommen, die Sie in der Vorbemerkung anschnitten: Sie sagen, es ist landläufig eine männliche Beschäftigung. Das braucht ja nicht eine männliche Beschäftigung zu bleiben! Es könnte ja durchaus sein, daß eine Frau einmal eine Philosophin sein wird …
Gaus: Ich halte Sie für eine Philosophin …
Arendt: Ja, also dagegen kann ich nichts machen, aber meine Meinung ist, daß ich keine Philosophin bin. Ich habe meiner Meinung nach der Philosophie doch endgültig Valet gesagt. Ich habe Philosophie studiert, wie Sie wissen, aber das besagt ja noch nicht, dass ich dabei geblieben bin.
Gaus: Aber ich würde dennoch gerne – ich bin sehr froh, dass wir auf diesen Punkt gekommen sind – von Ihnen genauer wissen, wo Sie den Unterschied zwischen der politischen Philosophie und Ihrer Arbeit als Professor für politische Theorie sehen. Wenn ich an einige Ihrer Werke denke, etwa an die „Vita activa“, dann möchte ich Sie doch unter die Philosophen einreihen dürfen, solange Sie mir nicht den Unterschied genauer definieren.
Arendt: Sehen Sie, der Unterschied liegt eigentlich in der Sache selbst. Der Ausdruck „Politische Philosophie“, den ich vermeide, dieser Ausdruck ist außerordentlich vorbelastet durch die Tradition. Wenn ich über diese Dinge spreche, akademisch oder nicht akademisch, so erwähne ich immer, daß zwischen Philosophie und Politik eine Spannung lebt. Nämlich zwischen dem Menschen, insofern er ein philosophierendes, und dem Menschen, insofern er ein handelndes Wesen ist, eine Spannung, die es in der Naturphilosophie nicht gibt. Der Philosoph steht der Natur gegenüber wie alle anderen Menschen auch. Wenn er darüber denkt, spricht er im Namen der ganzen Menschheit. Aber er steht nicht neutral der Politik gegenüber. Seit Plato nicht!
Gaus: Ich verstehe, was Sie meinen.
weiter unten: im Verlauf des Gesprächs

Gaus: In diesem Herbst, Frau Arendt, ist in der Bundesrepublik Ihr Buch über den Eichmann-Prozess in Jerusalem erschienen. Diese Arbeit ist seit ihrem Erscheinen in Amerika sehr heftig diskutiert worden; besonders von jüdischer Seite wurden Einwände gegen Ihr Buch erhoben, von denen Sie sagen, daß sie zu einem Teil auf Missverständnisse, zu einem anderen auf eine gesteuerte politische Kampagne zurückzuführen sind. Anstoß hat vor allem die von Ihnen behandelte Frage erregt, wieweit den Juden ihr passives Erdulden der deutschen Massenmorde angelastet werden müsse, oder wieweit jedenfalls die Kollaboration bestimmter jüdischer Ältestenräte fast zu einer Art Mitschuld geworden ist. Wie dem auch sei – für ein Porträt Hannah Arendts ergeben sich, so scheint mir, aus diesem Buch über Eichmann mehrere Fragen. Darf ich damit beginnen: Schmerzt Sie der gelegentlich erhobene Vorwurf, dieses Ihr Buch ermangle der Liebe zum jüdischen Volk?
Arendt: Zuerst einmal darf ich mit aller Freundlichkeit feststellen, daß Sie natürlich auch schon ein Objekt dieser Kampagne geworden sind. Ich habe nirgends in dem Buche dem jüdischen Volk das Nicht-Widerstehen vorgeworfen. Das hat ein anderer Mensch getan, nämlich Herr Haussner von der israelischen Staatsanwaltschaft im Prozeß gegen Eichmann. Ich habe die von ihm in dieser Richtung ergehenden Fragen an die Zeugen in Jerusalem töricht und grausam genannt.
Gaus: Ich habe das Buch gelesen. Ich weiß das. Nur gründen sich einige der Vorwürfe, die man Ihnen gemacht hat, auf den Ton, in dem manche Passagen geschrieben sind.
Arendt: Nun, das ist eine andere Sache. Dagegen kann ich nichts sagen. Und darüber will ich nichts sagen. Wenn man der Meinung ist, daß man über diese Dinge nur pathetisch schreiben kann … Sehen Sie, es gibt Leute, die nehmen mir eine Sache übel, und das kann ich gewissermaßen verstehen: Nämlich, daß ich da noch lachen kann.
Aber ich war wirklich der Meinung, dass der Eichmann ein Hanswurst ist, und ich sage Ihnen: Ich habe sein Polizeiverhör, 3600 Seiten, gelesen und sehr genau gelesen, und ich weiß nicht, wie oft ich gelacht habe; aber laut! Diese Reaktion nehmen mir die Leute übel! (Ende des Auszugs)

Dieses Gespräch Günter Gaus mit Hannah Arendt halte ich historisch für aufschlussreich, wie der politische Journalist Günter Gaus, Redakteur bei der Süddeutschen Zeitung, mit nicht einmal 35 Jahren, in Pol-Position, 1965 SWR-Programmdirektor zu werden, das große Fragewort „Zur Person“ führend, es vorzieht, im Ungefähren statt Gewagten, im Unpolitischen zu verweilen.
Statt Hannah Arendt zu ihrem Begriff „Banalität des Bösen“ in ihrem Buch „Eichmann in Jerusalem“ eingehend zu befragen, diesen Begriff zwar couragiert zu nennen, ohne die Notwehr in diesem Begriff für NS-Verfolgte wie Hannah Arendt um des erhofften Erfolgs ihrer Gesundung von Traumata Willen zu realisieren, das erscheint mir nachlässig, bei dem es darum geht, die Schockstarre NS-Verfolgter, Überlebender des Holocaust, Zwangsarbeit in KZs aufgrund eigenen Erlebens von staatlich organisiert verordneter Entbehrung, Durst, Hunger, Kälte, Hitze, Folter, Terror, aufzubrechen, existenzieller Zwangslage geschuldet, dass die von den Nazis selber propagandistische Selbstinszenierung ihrer Dämonisierung unabdinglichen Vollzugs hin zur monströsen Singularität ihres Vernichtungswillens ganzer Bevölkerungsteile, voran der Juden in Europa insgesamt, in einer völkischen Sammlungsbewegung international Williger Helfer von Madrid, Rom, Split, Athen, Thessaloniki, Zürich, Amsterdam, Brüssel, Paris, Oslo, Warschau, Riga, Tallinn, Vilnius, Minsk, Odessa, Kiew, Budapest, Bukarest, den Organisator der „Endlösung der Judenfrage in Europa“ seit der Wannsee Konferenz Januar 1942, Adolf Eichmann als Hanswurst zu identifizieren und damit sehenden Auges um des nachvollziehbar inneren Zweckes Willen der Verteidigungsstrategie Adolf Eichmanns beim Prozess in Tel Aviv möglichweise m Blick der Öffentlichkeit auf den Leim zu gehen?
Das zumindest mit Hannah Arendt ansatzweise zu erörtern wäre n. m. E. an dieser Stelle des Gesprächs oder im Verlauf Günter Gaus Chronistenpflicht gewesen in der Gnade seiner späten Geburt, wie er es gar nicht scherzend, sondern allen Ernstes, gerne als Ausrufungszeichen hervorhob.

Und wohl genau deshalb es vorzog, bei Gelegenheit zu einem bestimmten Zweck, wie das Orakel von Delphi mit dem Nimbus der Unergründlichkeit als „Linker Konservativer“ sich als ein wandelndes Fragezeichen mit vielen Leerstellen bühnenreif aufzuführen

Mit dem fassbar allgemeinen Nutzen der Gnade seiner späten Geburt war es für Günter Gaus wohl doch nicht so weit her, auch wenn er ansonsten schon mal das Gras wachsen hörte, bevor es gesät war, man könnte auch sagen, den anderen Günter, den Grass, der mit über vierzig um seine Freundschaft anfragte, dessen Werke wachsen hörte, bevor er sie begonnen hatte, was Rudolf Augstein an „Ei der Daus“ am Gaus so faszinierte.

Selbst zu Arendts öffentlich bekannt sehr persönlich bis intimen wie professionellen Verhältnis zu ihrem früheren Mentor, dem Philosophen Martin Heidegger in Heidelberg vor und nach 1933- 1945 zu befragen, schien Gaus nicht zu interessieren, noch eine Frage darüber zu verlieren, warum der Adolf Eichmann Prozess 1961 in Tel Aviv/Israel und nicht in Westdeutschland stattfand?

Welche Haltung Hannah Arendt dazu im Lichte politischer <Theorie entwickelt hat, dass die Bundesregierung Konrad Adenauer sich 1961 gegenüber dem Frankfurter Generalstaatsanwalt Fritz Bauer, mit juristisch fadenscheinigen Argumenten, in der anhängenden Sache kategorisch verweigerte, u. a. mutmaßlich aus begründeter Sorge, die NS-Verstrickung des Kanzleramtschefs Hans-Maria Globke „Kommentator Nürnberger Rassengesetze 1935“ könnten der westdeutschen Exportwirtschaft abträgliche Schlagzeilen liefern, ein Auslieferungsersuchen causa Adolf Eichmann aus Argentinien dann Israel nach Westdeutschland zu stellen.
Selbst der von Fritz Bauer jahrelang mühsam angestrengte Auschwitz Prozess der endlich seit 1963 in Frankfurt/Main angelaufen ist, wird mit keiner Silbe auch nur tangiert.

Auch die Münchner Chaostage subversiven Aufbruchs, Unruhestiftung von Schwabinger Künstlern, Studenten 1964, späterer Kommunarde in Westberlin Dieter Konzelmann vorne weg, überschießende Polizeigewalt, Krawallen, erste Tote der Studentenbewegung, noch die Tatsache sind beiden von Interesse, dass der Volkskanzler Professor Ludwig Erhard auf seiner Amerika Reise 1964 barsch vom US-Präsidenten dem bulligen Texaner Lyndon B. Johnson aufgefordert wurde, die Bundeswehr habe mindestens 2000 Soldaten an der Seite der US-Army in Vietnamkrieg zu stellen, 5.1 Milliarden DM Militärhilfe aufzubringen, das alles erwähnt Gaus im naheliegenden Lichte und Kontext politischer Theorie gegenüber einer bekennenden Vietnamkriegsgegnerin Hannah Arendt mit keinem Wort.
War es gegenseitig persönlich empfundene Zuneigung, die sie sich einvernehmloch mit Blick auf brennend aktuelle Fragenkomplexe gegenseitig schonen ließ, wie dies Hannah Arendt kurz nach dem Gespräch gegenüber ihrem Dialogpartner, wie sie ihn nannte, Karl Jaspers in einem Brief nicht direkt aber indirekt andeutet, dass sie in der Situation mit Günter Gaus zu spontan geantwortet habe, wohl, weil ich den Gaus so gut leiden konnte, wie sie schrieb.

Günter Gaus selber schlägt in seinem fragmentarischen Erinnerungen „Günter Gaus, Widersprüche“ Propyläen Verlag 2004, S.202, kurz vor seinem Tod einen für diese Situation fatal hochromantisch entwaffnenden Ton für alle Eventualitäten gewappnet an, er und seine Frau Erika hätten sich nach zwei Vorgesprächen zu seiner Sendung mit Hannah Arendt in deren Münchner Hotel in sie verliebt.

Denn eigentlich, schreibt Gaus, hätten sie einen „Blaustrumpf“ erwartet, aber ganz im Gegenteil, Hannah Arendt habe sich ihnen gegenüber als zuvorkommend äußerst lebhaft zugewandte Person gezeigt.

Wie kann ein politischer Journalist vom Format eines Günter Gaus im Vorfeld zu seiner Sendung mit Hannah Arendt, die er 2004 die beste seines Berufslebens als Journalist nennt, zu einem solchen machohaften Vorurteil kommen>? Hatte er nichts wirklich von Hannah Arendt und ihrem Leben gelesen?

Oder galt sein unreflektiert selbstgefälliges Boulevard-Macho- Klischee „Blaustrumpf“ der Camouflage seiner Angst als junger Mann, Greenhorn und Shootingstar Newcomer zugleich seit seinem Gespräch „Zur Person“ mit Wirtschaftswunderminister Professor Ludwig Erhard (1897-1977), dem designierten Nachfolger Bundeskanzler Konrad Adenauer als Volkskanzler – Begriff des Journalisten und späteren Volkskanzler Erhard Pressesprechers Johannes Gross – am 10. April 1963, von der wissenschaftlichen Profession und Leidenschaft Hannah Arendts in der Sache „Zur Person“ in der Luft über dem Senderaum zerrissen, die Zigarette hyperventilierend, adrenalinprall in Schnappatmung geratend, als „Brut“ als Frosch formiert bundesrepublikanischer Gesellschaft bei nächst passender Gelegenheit an die Wand geknallt zu sein, damit aus dem Frosch der verwunschene Prinz hervortritt?

Ausgerechnet in jenen Münchner Oktober Tagen 1964 laborierte Günter Gaus an den Folgen eines Springreiterunfalls. Er hatte sich einen Schlüsselbeinbruch zugezogen. 1969 sollte ihm der damalige Bundespräsident Gustav Heinemann bei Gaus nächstem sehr viel dramatischeren Reitunfall ins Hamburger Unfallkrankenhaus Boberg tröstend gemeint, mit seinem bekannten Sinn für trockene Scherze schreiben „Ihr jüngster Kommentar zeigt, zum Glück sind Sie nicht auf den Kopf gefallen“. Bundeskanzler Willy Brandt schrieb zu Sportarten: Die Devise, lebe gefährlich, hat auch ihre Schattenseiten. („Günter Gaus, Widersprüche“ Propyläen Verlag 2004, S. 305)

Wer den Schaden hat, wird selten klüger, der soll dazu Scherze, Spott anderer ertragen?

Dabei ist einer Spiegel Hausmitteilung 1.Februar 1965 zu entnehmen, warum Günter Gaus 1961 Den Spiegel als „Herrenspringreiter“ verlassen hatte, dem er seit 1958 als Redakteur angehörte. Er floh, gar nicht Macho, heißt es da, nicht nur offenen Seiten verordneter Team- Redaktionen, straffer Gruppenarbeit, fehlendem sowohl als auch des Spiegelstils, sondern vor allem deren Kehrseite, die sich nach Dienstschluss, vergattert verdammt zum kollektiven Macho Besäufnis nach Deutscher Wehrmachts-Landser- und Azubi-Art am Biertisch in Kneipen rund um Brandsende/Speersort Pressehaus in Hamburg gesundheitsmindernd vollzog bis das Taxi auf steuermindernde Spesenrechnung des Spiegels oder gleich der Arzt kommt.

Vielleicht war es nach dem Berliner Mauerbau am 13. August 1961 auch Günter Gaus Witterung der Jagdbeute von Großwildjgern, sein untrügliches Gespür für aufkommenden Schnee von gestern im Kalten Krieg, von hoher Warte aus in Bonn über Brüssel bis Washington D. C, bestens gebrieft, als Hoffnungsträger mit dem Nimbus „Linker Konservativer“ von kommenden Ereignissen, Turbulenzen, Ungemach rund um das Sturmgeschütz der Demokratie. wie Rudolf Augstein (1923-2002) seinen Spiegel nannte, nicht beschädigt zu werden?, den Spiegel vor der sogenannten Spiegel Affäre „bedingt abwehrbereit“ Oktober 1962, zwischengeparkt bei der Süddeutschen Zeitung dann Programmdirektor Hörfunk, Fernsehen des SWF 1961-1969, zu verlassen?.

Anders gefragt, gab es im Vorfeld des Gesprächs einvernehmlich ein stilles Übereinkommen, Günter Gaus stellt keine Fragen zum Verhältnis Hannah Arendts zu Martin Heidegger, Hannah Arendt revanchiert sich im Gegenzug die Zusicherung einzugehen, keine Statements einzubringen zu ausstehenden Entschädigungszahlungen für Überlebende des Holocaust, Zwangsarbeit in KZs für die deutsche Gesellschaft und Wirtschaft ab 1933 über 1939-1945, zum und im Umfeld des lange verschleppten dann doch durch den Generalstaatsanwalt Fritz Bauer zustande gekommenen Auschwitz Prozesses in Frankfurt/Main, um Günter Gaus als jungen Hoffnungsträger einer ersten großen Karriere der „Flakhelfer-Generation“ Bereich Medien nicht zu gefährden?

Bei dieser emotional verwickelt aufgeladen wirkenden Gemengelage war von vornherein ein erwartendes Interesse an geweiteten Themen kaum aufzubringen, wie Kolonialismus insgesamt, „Völkermord 1904-1910 an den Herero, Nama in Deutsch-Südwestafrika, dem heutigen Namibia, durch kaiserliche Kolonialtruppen, Polizei-, in drangsalierter Bevölkerung rekrutierter Hilfskräfte, entgegen damaligen Reichstagsbeschlüssenin Berlin, im Für und Wider Israels Entscheidung, sich zur angeblich eigenen Sicherheit auf die Seite ehemaliger Kolonialmächte England, Frankreich statt arabischen Ländern zu schlagen, wie Ägypten verdeckt von deutschen Waffenherstellern aufgerüstet zu werden, im Lichte politischen Theorie Verständnis Hannah Arendts zu erörtern.

Das hatten sich die SWR Granden 1964 trefflich fein ausbaldowert, unverfänglich einen 34jährigen Günter Gaus (1929-2004) der Flakhelfer Generation zum „Letzen NS-Volkssturm Gefecht“ als unbeleckt unschuldig jungen Interviewpartner der Ikone politischer Theorie des „Denkens ohne Geländer, „Des Denkens in der Schwebe“ der Schule des Psychiaters, Philosophen Karl Jasper (1883-1969) Hannah Arendt einzusetzen.

Was sollte die NS-Verfolgte, Hannah Arendt (1906-1975) mit ihrem legendär angriffslustigen Temperament diesem sympathisch auftretenden Jungakademiker antworten was fragen, der seinen Nimbus eines 55jährigen adrett hanseatisch gescheitelt, alterslos früh ergraut pflegte und vor Abwesenheit aller Kühnheit der Befragung innerlich vibrierte, denn von Hannah Arendt droht bei allem Ungefähren seiner Fragen durch eine blitzgescheite Gegenfrage, Antwort ein frühzeitiges Ende seiner hoffnungsschwangeren Laufbahn als öffentlicher Person, während Werner Höfer, trotz und wg. seiner Vergangenheit als NS-Propagandist bejubelt, unverdrossen unangefochten den Internationalen Frühschoppen im Rundfunk, Fernsehen bei Kellergeister Wein, Liebfrauenmilch, rotem Amselfelder, Türkenblut, Zigaretten- , Zigarrenqualm sonntäglich als Tafelsilber der transatlantisch geprägten Demokratie und deutschen Republik West zelebrierte?

Günter Gaus besucht Hannah Arendt 1970, seid 1969 Spiegel Chefredakteur. mit seiner Frau Erika in New York. Hannah Arendt wirkte aus der Welt gefallen, z. T. von ihr selbst entfernt in verschattender Wohngegend. Ihr Mann, Militärhistoriker Heinrich Blücher war kurz vorher gestorben. Als es an jenem Tag dämmerte, bat sie Gaus fürsorglich, wie er später zu Protokoll gebenbdmeinte, nun fahren sie besser in ihr Hotel. (Quelle: Günter Gaus „Was bleibt, sind Fragen“, Ullstein Verlag 2005).

– ab 1973 Erster Ständiger Vetreter der Bundesrepublik Deutschland, nicht dem Außenamt, sondern Kanzleramt als Staatsekretär zugeordnet, bei der DDR-Regierung in Ostberlin –

Es könnte auch anders, eher nicht fürsorglich gemeint gewesen sein? Vielleicht war Hannah Arendt innerlich angedasst, dass das Ehepaar Gaus sie als Zwischenstopp gebucht hatte auf dem Flug nach Washington D. C. zum Sicherheitsberater US-Präsidenten Richard Nixons Henry Kissinger, dazu, dass sie zu diesem unverändert in engem Freundschaftsverhältnis standen. Nixons Sicherheitsberater Kissinger hatte, ein Doppelspiel treibend, die Weltöffentlichkeit zu täuschen, entgegen Republikaner Wahlversprechen 1968, den Vietnamkrieg zu beenden, diesen völkerrechtswidrig, in geheimen CIA Operationen, nach Kambodscha, Laos ausgeweitet, unter Einsatz des chemischen Kampfstoffes Agent Orange, einem Pestizid des westdeutschen Chemiekonzerns Boehringer, dessen Vorstandsmitglied Richard von Weizsäcker jahrelang war, das . neben der Entlaubung ganzer Urwälder in Vietnam, Kambodscha, Laos, Vergiftung der Böden, die Gesundheit vieler Vietnamesen US-Soldaten zerstörte, zur Geburt ungezählt missgebildeter Kinder führte und noch führt. Weil Agent Orange auch das Erbgut schädigt. Aber das schien den Besuche Gaus 1970 und danach bei Kissinger selbst 34 Jahre später von ihm, ohne weitere Einlassungen, noch Erläuterungen zu Protokoll gegeben, keineswegs anzufechten.(Quelle: Günter Gaus „Was bleibt, sind Fragen“, Ullstein Verlag 2005)..

Henry Kissinger gilt seit Jahrzehnten in etlichen Ländern als „Persona non Grata“, die vor den Internationalen Gerichtshof Den Haag gehört, dessen Anerkennung US-Präsident Bill Clinton wohl auch wg. der Causa Kissinger 1997 zurückzog
JP

https://www.taz.de/Youtube-Interview-mit-Hannah-Arendt/!5475079/
Youtube-Interview mit Hannah Arendt
7. 1. 2018
Jonas-Erik Schmidt
Ach, das war noch Fernsehen!

https://www.freitag.de/autoren/joachim-petrick/gunter-gaus-ein-eulenspiegel-leben-der-feinen-art?searchterm=Gaus
JOACHIM PETRICK 23.11.2010 | 17:07 7
Günter Gaus, ein „Eulenspiegel- Leben“ der feinen Art