Martin Walser, Schockvirtuose Kultur des Verdachts, durch Verdächte zu entladen, wird 92.

Die menschliche Wärmelehre – Martin Walser
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Michael Wegner
Am 16.05.2017 veröffentlicht
„Auch die farblosesten Politikerstatements werde, wenn man in ihnen das Verschwiegene entdeckt, abgründig attraktiv“. Martin Walser schreibt über das Verschweigen und die Verschweiger. Und darüber, warum das Verschwiegene uns alle verbindet. Ein Text gegen alles Festgelegte, ein Text über die Macht des Tabus.
Man kann Menschen besser beurteilen nach dem, was sie verschweigen, als nach dem, was sie sagen. Das ist der 1. Hauptsatz der menschlichen Wärmelehre. Dieser Satz macht es nötig zu behaupten, es sei leicht, in dem, was ein Mensch sagt, das festzustellen, was er verschweigt. Und wenn man sich angewöhnt hat, den Text eines Menschen Wort für Wort als die Mitteilung eines verschwiegenen Textes zu verstehen, dann werden auch die fadesten oder banalsten Sätze dramatisch interessant. Auch die farblosesten Politikerstatements werden, wenn man in ihnen das Verschwiegene entdeckt, abgründig attraktiv. Und es sind gerade die farblosesten Routinephrasen, die dann die spannendsten Kehrseiten offenbaren. Also ist der 2. Satz der menschlichen Wärmelehre: Je farbloser ein Text, desto mehr hat er zu verbergen. Und was er zu verbergen hat, das zeigt er umso krasser, je mehr er es zu verbergen sucht. Vielleicht wissen das die Linguisten längst und machen den profitabelsten Gebrauch davon, sagen es aber nicht weiter, weil sie dadurch vielleicht eine neue Dimension der Geheimhaltung provozieren würden, der sie linguistisch dann nicht mehr gewachsen wären. Auf mich angewendet heißt das natürlich auch: Mit allem, was ich sage, verschweige ich etwas. Und ich bin in dem, was ich verschweige, viel mehr enthalten als in dem, was ich sage. Was ich sage, gehört immer schon zu dem, was man sagen kann, ohne allzu unangenehm zu wirken. Mit dem, was ich sage, will ich mich beliebt machen. Das, was ich verschweige, hätte meine sofortige Unbeliebtheit zur Folge. Der große Vorteil des Verschweigens: Man braucht keinen Menschen mehr, dem man mehr sagen kann als anderen. Es ist kein Mensch vorstellbar, dem gegenüber man nichts zu verschweigen hätte. Andererseits kann ich mir nicht einbilden, andere kriegten in dem, was ich sage, nicht mit, was ich verschweige. Das ist gut so. Was sie in dem von mir Gesagten als Verschwiegenes, als Geheimgehaltenes entdecken, erleben sie als ihre Entdeckungsleistung. Und was sie da entdecken, das hat immer so viel von ihnen selbst wie von mir.

Martin Walser im Gespräch mit Thea Dorn (Zeugen des Jahrhunderts/Langfassung)
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Text und Bühne
Am 11.09.2016 veröffentlicht
„Der Autor ist auf keiner Position draußen, von der aus er die Gesellschaft kritisch beurteilen könnte, sondern er ist mittendrin. Er kann nur über sich in dieser Gesellschaft schreiben.“ Martin Walser. 1927 als Sohn eines Gastwirtes am Bodensee geboren, musste Walser bis in die 70er Jahre warten, bis ihm der literarische Durchbruch gelang. Mit „Ein fliehendes Pferd“ legte er 1978 nach Kritikermeinung ein „Glanzstück deutscher Prosa“ vor, das zudem ein Bestseller wurde. Martin Walser ist bis heute ein politischer und streitbarer Zeitgenosse. Zeitweise galt er als Sympathisant der DDR-nahen DKP, dann wieder bekannte er sein Leiden an der deutschen Teilung. Seine Dankesrede zum „Friedenspreis des Deutschen Buchhandels 1998“ geriet zum Eklat und war nicht nur in den Feuilletons umstritten. Der Vorwurf des „latenten Antisemitismus“ hat ihn seitdem immer wieder eingeholt. Auch sein Roman „Tod eines Kritikers“ heizte die Debatte um Walser vier Jahre später wieder an. Auch um diese Fragen dreht sich das Gespräch mit Thea Dorn. Ihr gegenüber hat er einige überraschende Antworten parat.

Martin Walser – Mein Diesseits (Denis Scheck unterwegs mit Martin Walser, 2017)
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Text und Bühne
Am 21.04.2017 veröffentlicht
„Das Leben muss man in einen Roman verwandeln, sonst hält man es nicht aus.“ Martin Walser
Eine Reisereportage, ein Roadmovie rund um den Bodensee. Der Anlass war sein 90. Geburtstag am 24. März 2017. Das Walser-Land ist der Bodensee. Es findet sich in Deutschland kein zweiter Dichter, der so sehr mit einer Landschaft verbunden ist. Nicht nur, dass Walser immer dort gelebt hat, viele seiner Romane verwandeln den nördlichsten See Italiens, wie Rudolf Borchardt ihn genannt hat, in einen literarischen Kosmos. Die Zürns, Halms, Horns, sie alle leben am See oder in seinem Umfeld; auch so mancher Held des Spätwerks. Der Bodensee ist und bleibt die Projektionsfläche der Walserschen Fantasie, so sehr sind die Orte von Überlingen bis nach Wasserburg und Lindau in seinem Werk präsent.
Darum erfahren Denis Scheck und Martin Walser eine dreifache Tour d’horizon: Sie durchqueren eine Landschaft, ein Werk und eine Biografie. Sie fahren, fahren, reden darüber, was sie sehen, was ihnen in den Sinn kommt – vollziehen eine Lebensreise. Ein Film von Frank Hertweck (SWR, 18.3.2017).

Einblicke in Martin Walsers Tagebücher, LeseZeichen vom 19.03.2005
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Bayerischer Rundfunk
Am 05.06.2014 veröffentlicht

Bayerischer Rundfunk
Am 05.06.2014 veröffentlicht
Martin Walser schreibt zeit seines Lebens Tagebücher. In drei Bänden hat er inzwischen die Jahre 1951 — 1978 öffentlich zugänglich gemacht. Armin Kratzert hat den Schriftsteller besucht, um sich erklären zu lassen, warum es für ihn immer wichtig war, das Erlebte schriftlich zu verarbeiten, und wie die Aufzeichnungen schließlich in sein Werk Eingang finden.

Mehr zu LeseZeichen: http://www.br.de/lesezeichen
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Menschen & Blogs

„Ich lebe von Zustimmung“
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Cicero Online
Am 23.10.2013 veröffentlicht
Gipfeltreffen der Geistesgrößen – Peter Sloterdijk und Martin Walser über Schönheit als politische Kraft, den Aufstieg der Expertokratie und das Mädchengesicht der Angela Merkel – eine denkwürdige Begegnung im Berliner Ensemble

Peter Sloterdijk und Martin Walser – Berliner Ensemble 2013 – Teil 1
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Kapitale Berlin
Am 21.10.2013 veröffentlicht
Teil 2 hier: http://youtu.be/LhG-GHXN-bE
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Musik

 

Prolog in Gedankenfetzen zur Einstimmung auf wortwörtlich genommnnes Leben Martin Walsers:
Interessenlos an der Vergangenheit sein, dass sie uns entgegenkommt von ganz allein.

Zu gegenwärtigen Zwecken. kann der noch fähig zu trauern für persönliche Verluste sein, wie über den Tod seines zwei Jahre älteren Bruders 1944, der den deutschen Vaterlandsleichnam auf seinem Rücken trägt?

Unterwerfungssehnsucht, Martin Walser dienstbarer Geister für Jedermann in Angelegenheiten von Großem, Umsetzung von Visionen, großem Lärm zu gegenwärtigem Zweck entfachend, sich in diesem zu verflüchtigen als wäre er nie dortgewesen?

Seelenarbeiter im Bergmassiv deutscher Seelen- Mentalitätsgeschichte.

Martin Walser gilt nicht als Mann für`s Grobe, sondern Mann für großes Theater Spektakeln im Öffentlichen um im anschwellenden Bocksgesang unerhört sichtbar unsichtbar zu sein, in dem, was ihm meist nicht gelingt, ganz im Gegenteil und das gilt ihm als seine Last.

Solange etwas ist, ist es nicht, was es nicht gewesen sein wird.

Das Leben anderer, wie das eigene, in Tagebuch Notizen, aus dem Zusammenhang gerissen, polarisierend wortwörtlich genommen?

Andauernd außer sich geraten vor Hingerissenheit als Schockvirtuose (Quelle Walsers Tagebuch Notiz 5.7.1979 S. 241 über Herbert Achternbusch)

Walsers Schausteller Strippenzieher Talent, das Puppen, ohne Ansehen von Person, Rang, Stand als Marionette zum Tanze inszeniert.
Sieger wie Besiegte bergen sich gleichmaßen im Gefühl des Geschlagenseins aus Zweiten Weltkrieg ohne Sinn für zivile Lebensperspektive außer in einer Kommandowirtschaft formierter Gesellschaft gleich welcher politischen Prägung Ost oder West Block?

Zu gegenwärtigen Zwecken Hingerissenseins vom reinen Schein, kann der noch fähig zum Trauern über persönliche Verluste sein, der den deutschen Vaterlandsleichnam auf seinen Rücken wuchtet, unter beachtlichen Anstrengungen, statt orgiastisch davon zu fliegen ins Irgendwo, Bodenhaftung im Hier und Jetzt zu wahren?

Martin Walser, Schockvirtuose Kultur des Verdachts, durch neue Verdächte Spitze genommen, zu entladen wird 92.

Martin Walser, geboren 24. März 1927 Wasserburg am Bodensee, andauernd außer sich geraten, von sich hin- und fortgerissener Schockvirtuose (Quelle Tagebuch Notiz 5.7.1979 S. 241 über Herbert Achternbusch), die Pippi Langstrumpf deutsch- deutschen Nachkriegs Literaturbetriebes südlich der Mainlinie, beim allemannischen Gedankenritt über den Bodensee, flunkert, bunkert sich seine Welt in Privat Archiven, wie es ihm gefällt, wenn sie ihm zu gegenwärtigem Zwecke so oder auch gnz anders erst schimmert, so dann als Wahrheit in der Klarheit dämmert.

Als gestandener Kohlenhändler Jungspund weiß Martin Walser von Kindesbeinen an wacker schwer beladen auf Zack und Draht andauernd emotional kindesmissbräuchlich belastet außer sich geraten, separat Etagenadel 5. Stock treppauf, Sack um Sack nummeriert hochgeschleppt mit Kohlen zu bedienen, mit freudigem Namens Erinnern nach üppig eingesacktem Trinkgeld, im Verlauf seines weiteren Lebens Autor, Familiengründer am Bodensee seit 1968 wieder dahoum in ungehalten gehaltenen Reden, Worte, Meinungen anderer vor gewogenem Publikum als unerhört heiße Kohlen zu servieren, die unabdinglich gelöscht gehören, dabei ganz Feuerwehr und Flamme, andere anzuschwärzen, von ihm entfachten Brandherd auszumerzen.

Seine Meinung einfach so kann jeder sagen, daraus aber ein Drama zu inszenieren mit Haken, Ösen, Tücken, Kentakeln, Fallgruben, -stricken, Fangeisen, Erinnerungslücken, mit vielen ungefragt Beteiligten in unterschiedlich sich gegenseitig anfechtenden Rollen, das kann Schockvirtuose Regisseur Martin Walser des Öffentlichen, wie keiner.

Beispiel gebend ist es ihm angenehm bequem nicht in die Ferne zu schweifen, sondern nahe Weggefährten ans Leder zu gehen, Günter Grass, Walter Jens Nachkriegs Worte vom

„Wir Deutschen müssen Teilung unseres Vaterlandes als Ergebnis der NS Verbrechen 1933-1945 um des inneren, äußeren Friedens Willen in Europa, verstehen, in unserem Gemüt und Herzen bewegen die Oder/Neiße Grenze zu Polen anerkennen, Königsberg nicht mehr Königsberg, sondern Kaliningrad nennen“

ansatzlos unvermittelt aus Tagebuch Notizen Leben anderer wortwörtlich nimmt zu gegenwärtigem Zweck in eine Vaterlandsverräter Kampagne umzumünzen, zu der er jahrzehntelang schwieg, nun aber Wendejahre Kalter Krieg, Beginn Solidarnosz Polen 1980, befeuert Glasnost, Perestroika Michail Gorbatschow UdSSR 1985, Erbauen Europäischen Hauses kollektiven Sicherheitssystems ohne Atomwaffen, Tschernobyl AKW Komplex Block 4 GAU 26.4.1986 radioaktiv strahlenden Ewigkeitslasten für ganz Europa, die Welt, nicht mehr schweigen kann, um so ungestümer gegen diese historische Vaterlandsverräter Unfug Pointe landauf, landab geladen, ungeladen tanze, solange deutscher Boden hüben drüben noch bewohnbar ist, und sei es um den Satans Preis, mit Fleiß, dass alte Freundschaften Duell Schall und Rauch Wort Pistolen Schmauch gestrandet, an Wortklippen zerschellen, auf Nimmerwiedersehen zu Brüche gehen.

Publikum lauscht fasziniert Martin Walsers Lippengebetsprache Schwall und Bann, außer Ignaz Bubis, Friedrich Schorlemmer, anlässlich seiner Paulskirchen Achterbahn Sonntag Dankesrede Empfang Friedenspreis Deutschen Buchhandels 11. Oktober 1998 Frankfurt/Main, steht auf wie ein Mann, Ovationen klatschen, Augen reibt und dreht, was und wer soll ab wann hier gehen, wenn ja, warum, wohin?, bei allem Wenn- und Aber Sinn heller Wahn im Alarm Matins Horn Anzug um Auschwitz Moralkeule als Drohroutine Instrumentalisierung zu gegenwärtigem Zweck, Holocaust Mahnmal im Zentrum der Hauptstadt Berlin am Rande der Topografie NS Terror, Stempel deutscher Schande erbaut, ohne Sinnen, noch Trachten nach Ausgleichskultur in asymmetrisch aufgestellter Weltwirtschaft, New Yorker Anwaltskanzleien präsentieren Zwangsarbeiter Sammelklagen Forderung nach Entschädigung durch deutsche Gesellschaft, Wirtschaft,

– Sturmgeschütz der Demokratie Kamerad Rudolf Augstein Spiegel Kolumne „Todbringende „Humanisten“ 1996 vorauseilend, es geht um Daniel Jonah Goldhagen Buch „Hitlers willige Vollstrecker“ , dann Kolumne 30.11.1998 „Wir sind alle verletzbar“ samt Titelgeschichte „Ist die Schuld verjährt“, Untertitel „Schuld und Schlußstrich“ ohne Fragezeichen, Walsers Rede nacheilend winkt – ,

DDR Nato Spion Rainer Rupp verurteilt, derweil Walsers Rede langem Sinn und Ende harrt, ihn von Rest Haft zu befreien, hat er doch bei Bundespräsident Roman Herzog Gnadengesuchin der Schwebe eingebracht, um vereinten Deutscher Friedens willen?

Nicht nur das, zu Gut erletzt zitiert, legt Walser Tochter Johannas Theater Donner Krach vor und nach, ihr neues Buch „Verdacht“?

Martin Walser ist nicht Mann für`s Grobe, Nein, Herr Gott Sakrament, das ist er mitnichten, da ist ihm lieber nach Dichten, was er trefflich mag und kann, Nein, er ist der Mann, Diskurs Schock schwere Not Virtuose Großen Theater Spektakels im Öffentlichen mit Unterwerfungssehnsucht frei flotierend allgemein anschwellendem Bocksgesang, unerhört sichtbar geworden, sogleich, flink wie ein Windhund, wortfix hurtig schnell zu entschwinden, als wäre er überhaupt und sonders dort am Bombenstimmung Abwurfplatz Verfertiger in freier Rede nie gewesen, was ihm kaum gelingt. Denn er liest ausgerechnet hier am 11. Oktober 1998 mit Brille vom Blatte.

Ungewiss, warum das Publikum ihn am 11. Okrober 1998 wirklich feiert, nimmt Walser mit Genugtuung doch einen Sieg mit nach Hause, dass sein Versuch, CDU-Bundespräsident Herzog nahezulegen, dem Gnadengesuch des DDR Nato Spion Rainer Rupp zu entsprechen, weder vor Ort, noch in Medien einen Tumult ausgelöst hat, denn immerhin hatte CDU/CSU Einheitskanzler Helmut Kohl gerade Bundestagswahl verloren, die letzte Phalanx war gefallen, die Rotgrüne Koalition Gerhard Schröder/Joschka Fischer an der Spitze rückte auf ihrem Langen Marsch durch die Institutionen an die Hebel der Macht.

Ganz im Gegenteil, Scheitern gilt Martin Walser als seine Last, seine Pflicht am Öffentlichen, die er zu tragen hat, wie einst seine Schlepperei als Kohlen Händler Schipper Trimmer Jung wacker gerackert treppauf Etagenadel 5. Stock, Pianistin Fräulein Hänsel, treppab im Keller stets pünktlich auf die Minute zu Diensten, von früh bis spät, Mama Existenz Sorge ums Ausflugs- , Vereinstrefflokal Wasserburg/Bodensee dahoam nach NS Schwarzhandel Urteil 1943 gegen sie zu lindern, Vater 1938 verstorben, älterer Bruder 1944 an Zweiter Weltkrieg Ostfront gefallen, heimatfern soldatisch begraben lag. (Quelle: “ Das Leben wortwörtlich“ Rowohlt Verlag 2017, Gesprächsband Martin Walser, Sohn Jakob Augstein). g

Gemäß Führerbefehl galt seit Beginn des Vernichtungskrieges gegen die UdSSR verschärft verboten, gefallene Wehrmachtssoldaten in der Heimaterde zu begraben, denn das könnte die reichsdeutsche Bevölkerung, angesichts anhaltend so hoher Zahl an gefallenen Söhnen beunruhigen.

Heute, Sonntag, 24. März 2019 wird Martin Walser 92.

 

2. Versuch meiner Annäherung an Martin Walser
Joachim Petrick

1965/66 absolviere ich Wehrdienst bei der Bundeswehr Luftwaffe in Budel/Eindhoven/Holland, Fliegerhorst Faßberg/Unterlüß/Niedersachsen, Fliegerhorst Fürstenfeldbruck,/Bayern, Truppenschule der Luftwaffe/Hamburg, Bloomkamp und ward das erste Mal in meinem jungen Leben eigenartiger Zeremonien gewahr bei protestantisch-katholischen Rüstzeiten der Militärseelsorge, Fackelzugmarsch Fahnen Appellen bei Trommelwirbel nach Sonnenuntergang mit dem Befehl „Helm ab zum Gebet“.

In Gebeten, die der Bataillonskommadeur Dienstrang Mayor aufwärts hielt, war stets vom Vertellen der Sicherheit für die Existenz Deutschen Vaterlandes auf Schultern aller die Rede, so als ob, entgegen Komitee „Unteilbares Deutschland“ das Vaterland doch, in kleinste Teile zerschnitten, auf Millionen Staatsbürgerschultern Rücken in Uniform im Ernstfall. Atomkrieg, verteilbar abtransportbereit in aller Weltenrichtung nach Unbekannt weg aus der Gefahrenzone Europa sei.

Denn wenn der Bundeswehrsoldat Staatsbürger in Uniform ist, wie es die Leitlinie General Wolf Graf Baudissins „Innerer Führung“ seit 1956 vorschreibt, ist da nicht auch jeder Zivilist bei Nato Alarm als „Staatsbürger ohne Uniform“ einbezogen?

Der schwedische Filmregisseur Ingmar Bergmann hatte 1964 im Zusammenhang mit dem Start seines Films in Kinos „Das Schweigen“ mit Blick auf Deutschland dunkel erläutert “Das Schlangenei lebe noch, aus dem das kroch“.

Er schien zu wissen, wovon er sprach, wussten wir die heranwachsenden Deutschen hüben und drüben das auch?

Es klang bei dem Wort Schlangenei als sei da etwas, wie ein Lindwurm, Zelle um Zelle teilbar in kleinste Zell Teile, jedes Teil für sich, gleich wo in der Welt, zu ewigem Leben erkoren.

Während in Hamburg die Internationale Gartenschau (IGA) Furor macht, hält der US Bürgerrechtler Martin Luther King am 28. August 1963 seine legendäre Rede „I Have a Dream (dt. „Ich habe einen Traum“) beim Marsch auf Washington für Arbeit, Freiheit, Durchsetzung unbürokratischen Zugangs zu Wahlurnen für nicht weißfarbige Bürger*nnen vor mehr als 250.000 Menschen am Lincoln Memorial in Washington, D.C. .

1964 besucht Martin Luther King Westberlin, begrüßt vom Regierenden Bürgermeister Willy Brandt, im November 1964 erhält er den Friedensnobelpreis. Später besucht er auch Ostberlin in der geteilten Stadt.

Am 16. September 1966 saßen meine Mutter, Großmutter väterlicherseits, jüngere Schwester unseres Vaters, unsere jüngere Schwester , unser älterer Bruder und ich am Sterbebett unseres kriegsversehrten Vaters AK Hamburg Barmbek.

Unser Vater, 52 Jahre geworden, war in diesen sterbenskranken Zustand durch postraumatisch unverarbeitete Spätfolgen zweier Kriegsverletzungen an Kopf und rechtem Fuß geraten und anschließend medizinisch Gefahren geschwängerter Dauerbehandlung einerseits mit Aufputschmittel Pervitin, Barbituraten, Anraten zur Schmerzlinderung täglicher Bocksbeutel Wein, oder Bier zu trinken, andererseits jahrzehntlang mit Schmerzmitteln, Valium, Captagon, Morphium appleziert bis es zu einem inoperablen Magendurchbruch kam, angeblich, weil unser Vater dramatisch an Gewicht eingebüßt hatte.

Im Verlauf jener Jahre verschwand unmerklich der „kriegsversehrte Mann am Stock, an Krücken“ im Straßenbild, in Straßenbahn, U- , S- Bahn auf extra ausgeschilderten Plätzen für Kriegsversehrte hockend, Berichte in Medien, UFA Wochenschau, TV immer mehr aus dem Öffentlichen Raum und Leben in Deutschland West wie Ost wg. vorzeitigem Ableben, nur noch als Hintergrundrauschen in Zeitungs Todesanzeigen aufspürbar.

22 Jahre später 1988, Helmut Kohl *1930 war seit 1982 Bundeskanzler geistiger Wende, am 26. April 1986 war es im AKW Block 4 Tschernobyl/UdSSR, heute Ukraine, zum GAU gekommen, Glasnost, Perestroika Michail Gorbatschows UdSSR hatte Fahrt aufgenommen, viele verstanden dies wie ich als globales Ereignis, kommuniziert wurden sie im Verlauf als regionaler Scheiterungsprozess, die Diskussion hielt an, wo bleiben wir, wenn nach Tschernobyl der nächste Atommeiler im GAU explodiert, in Europa weite Flächen unbewohnbar, für Ackerfrüchte Anbau unbrauchbar sind, als Schriftsteller Martin Walser, Flakhelfer Generation Jahrgang 1927, freischwebendes Radikal zwischen links, rechts ab durch die Mitte, am Bodensee, Rampensau riesiger Krawall Pointen im Truppenbetreuungs Tornister für den Fall des Ballermann in schier auswegloser Lage und andere günstige Gelegenheiten bunkert, bei vorauseilendem Gespür, wenn es gelte, in Europa Feuer und Flamme Tumult als Ablenkungsmanöver zu gegenwärtigem Zweck von der Weltlage zu starten, 1988 in seinem Essay „Über Deutschland reden“ ausgerechnet von Bayern aus mit Karl May Indianergeheul nach Bismarckscher Denkart ein Deutscher Einheits Joint ausgeht.

Zur Erinnerung, es war das Königreich Bayern, das sich 1871 bis zuletzt gegen Bismarcksche Version kleiner deutscher Einheit in Versailles ohne Habsburger Monarchie mit Klauen und Zähnen gewehrt hatte, dann doch für Finanzierung Schlosses Neuschwanstein König Ludwig II aus Bismarckscher Reichsschatulle abkaufen lässt.

Da visualisiert Martin Walser, vor Kühnheit zitternd, mit seinen Pranken in die Schreibmaschinen Tasten am Bodensee greifend, in seinem Essay „Über Deutschland reden“ 1988 als wäre er der deutsche El Cid (*1045 Spanien), hoch zu Ross, gesalbt geschminkter Leichnam auf seinen treuen Hengst Babieca gefesselt in siegreicher Schlacht vor Valencia gegen die Berber 1099, den einbalsamierten „Vaterlandsleichnam“ im geteilten Deutschland in jeden deutschen Tornister, jede Rosenkranz Gebetsmühle, um diesen herumgruppiert, sich vereint, zur letzten Schlacht für die deutsche Einheit zu wagen, durch Mauern zu brechen, statt sich durch offene Türen zu trauen, die Glasnost, Perestroika in Europa Haus Perspektive schafft, wer da nicht mittut, wie Günter Grass, Walter Jens, Jürgen Habermas mit ihren friedenswahrend völkerverständigenden Konstrukten deutsche Kulturnation, Verfassungspatriotismus gilt ihm unverhohlen ungestüm als Vaterlandsverräter, zuletzt zugespitzt in seiner berüchtigten Paukskirchern Dankesrede 1998 zum Empfang des Friedenspreises Deutschen Buchhandels zu gegenwärtigem Zweck, von Rudof Augstein assistiert, drohenden New Yorker Anwaltskanzlei Zwangsarbeiter Entschädigungsforderungen an Deutsche Gesellschaft, Wirtschaft Wind aus den Segeln zu blasen, gegenüber diesen einstigen Weggefährten im Waffenruhe Geiste nach 1945 in Europa zum Verräter avanciert und gelobt sein will.

Walser droht aus zivilem Reden über des Deutschen Vaterland ein militaristisch anmutend sentimentales Geschwafel im Ungeist unverbrüchlich verschworener Landser Soldateska Kameraderie zu machen, die sich unheilschwanger um das gesalbte Totem „Vaterlandsleichnam“ schart, für dessen Tod durch Siegermacht Zerschnittensein in Hüben, Drüben in Rachefeldzug zu ziehen, mit denunziatorischen Verweis auf Vaterlandsverräter, vorsorglich nach Art Hindenburg/Ludendorff kruder Logik 1918 im Fall der Niederlage mit Dolchstosslegende durch Versagen, Destruktion, Sabotage, Abgrund an Verrat an der Heimatfront versehen.

Sich einerseits unbekümmert bekennt, andererseits mit Alarmton im Schriftformat vom Seelen Totem Vaterlandsleichnam schreibt, das keiner kennt, außer ihm, von dem er meint, dass dieses alle Deutschen hüben und drüben auf ihrem Rücken trügen.

Das klingt sehr danach, Reden über Vaterland zur Sentiment Agenda von Kameradschaft, Krieger Rhetorik zu machen, von Kameraden zu reden, die im Krieg unter eigener Lebensgefahr heldenmütig verwundetete, tote Kameraden auf ihrem Rücken wuchten, unter Bombenhagel, Artillerie Granateinschlag rettend aus dem Gefechtsfeld bergen.

Vielleicht aber hat Martin Walser 61 Jahre alt doch ganz anderes im Sinn, gerade, weil ihm sein Rechtfertigungsversuch zu entgleiten droht? will Walser mit seinem Seelen Totem „Vaterlandsleichnam“ zu gegenwärtigem Zweck 1988 mitten im Frieden in Europa allen Deutschen hüben, drüben Trost spenden, Asche einer Glut sein, die er nie war, Literatur in den Stand von Religion zu heben, Welt zu verklären, unfassbar zu sein, wie die schwebende Wolke „Statt etwas letzter Rank“, sich mit seinem Rechtfertigungsversuch Essay „Reden über Deutschland“ 1988 in einem kommend größeren Geräusch aufzuheben, wie er in Tagebuch Notiz 1966 vorwegnimmt (Quelle: Gesprächsband Martin Walser und sein Sohn Jakob Augstein „Das Leben wortwörtlich“, 2017, S.197) ?

Es war der Däne Kierkegard, heißt es da S. 272, dem auffiel, dass den Deutschen das Gewissen, das sei, was gwiss ist, während Hegel Gewissen als tiefste innerliche Einsamkeit empfand, die nicht durch das Öffentliche vertreten sein kann.

Indem Walser von der Moralkeule Auschwitz, angeblicher Drohroutine mit dieser zu gegenwärtigem Zweck jederzeit einsetzbares Einschüchterungsmittel in seiner Paulskirchenrede 1998 spricht und zuvor in seinem Essay „Über Deutschland reden“ 1988 schreibt, macht er, in Kenntnis der Wirkung von Reizklischees, wie Sohn Jakob Augstein im Gesprächsband anfragt, aus dem Hegelschen Gewissen, aus tiefster innerlicher Einsamkeit empfunden, das Gewissen und dessen Negation zum Spektakulum des Öffentlichen, das Gewisse an Auschwitz, essayistisch handbar zum Ungewissen beliebig gegenwärtigem Zweck.

Überhaupt scheint Walsers Paulskirchenrede als Achterbahnsause angelegt, dass die Zuhörerschaft gegen Ende innerlich ramponiert unten ankommt., außer Ignaz Bubis, Friedrich Schorlemmer, wie ein Mann, Ovationen Beifall klatschend aufsteht, aber im Ungewissen bleibt, warum, weil Walser in letzten Sätzen Bezug auf das gerade erschienen neue Buch einer jungen Autorin Bezug nimmt, mit dem Satz endet “ Soviel zum Schönen.

Die Autorin ist Johanna Walser (Anm.: Walsers Tochter). Ach, verehrter Herr Bundespräsident (Anm: Roman Herzog), lassen Sie doch Rainer Rupp gehen. Um des lieben Friedens willen.

(Anm. : Rainer Rupp sitzt nach Urteil als DDR Nato Spion in Brüssel in deutscher Haft, hat an Bundespräsident Roman Herzog nach Teilverbüßung seiner Strafe 1998 Gnadengesuch gerichtet, das bis dato unentschieden, letztlich von Herzog verworfen wird. Walser bezieht sich in Paulskirchenrede auf Wolfgang Schäuble, 1990 Bundesinnenminister, maßgeblich am deutschen-deutschen Einheitsvertrag beteiligt, der damals vergeblich dafür plädiert, um des Inneren Friedens willen, Ost- und West-Spione gleichermaßen zu amnestieren, nicht kalkulierbaren Unwuchten im deutsch-deutschen Vereinigungsprozess keine Nahrung zu geben).

Spricht Martin Walser in seiner Paulskirchenrede, wie ein Mann, der mit dem Rücken zur Fahrtrichtung sitzt, immer, niemals irgendwo hin, sondern immer von irgendwo wegfährt? (Quelle: Tagebuch Notiz 15.9.1979.)

Das hat einen Vorteil, beim Aufprall wuchtig in der Polsterung hinter ihm geborgen zu versinken, statt brachial nach vorne zu stürzen.

In diesem Mentalitätskontext sollte Walsers Tagebuch Notiz 24.7.1981 nicht unerwähnt sein, Auszug „Von größtmöglicher Dummheit und Verworfenheit ausgehen, sie dann mit allen Kräften verteidigen, das kann zu realen Farben führen;“

Bleibt am Ende das Gefühl, Walser ist selber nicht ganz bei Trost, nie zu Trost gelangt, was Trauer betrifft, Trauer über seinen 1944 gefallen zwei Jahre älteren Bruder.

Martin Walser wird noch 1944 mit Zustimmung seiner Mutter als Erziehungsberechtigter, sein Vater 1938 verstorben, zu Gebirgsjägern Deutscher Wehrmacht einberufen, da der ältere Bruder gefallen ist, unüblich ist, nicht hätte sein müssen, abgesehen vom jugendlichen Alter, er war gerade 17.

Walser liefert mit dem Seelen Totem „Vaterlandsleichnam“, wie ich es nenne, seinen Kritikern Steilvorlage, das in ihren Augen, sentimentalem Landser Seelen Pathos Geschwafel geschuldet, eher Landsknecht Mentalitätsgeschichte nachbildet, um der Kameraden Leben Willen Opfergabe abzuverlangen, so fürs Tragen des Vaterlandsleichnam auf dem Rücken, Zeit und Lebensqualität zu opfern, mit der er das Thema Vaterland entzivilisiert in Kameradschaftsmodus Droge ertränkt, statt zu wirklichem Trost und Trauer befähigen zu wollen.

Wer sich des 2002 veröffentlicht, bis dato verschollen letzten Kapitels Sebastian Haffners „Geschichte eines Deutschen“ zum Thema Kameradschaft erinnert, kann dieser Kritik nur beitreten.

Das letzte Kapitel komplettiert „Geschichte eines Deutschen“. Sebastian Haffner beschreibt darin seine Zeit im Referendarlager Jüterbog im Herbst 1933, wo er als angehender Jurist an einer „weltanschaulichen“ Schulung teilnehmen musste.
Dieses Kapitel gibt erweiterten Einblick in Haffners Biographie. Es macht deutlich, wie Kameradschaft unter Bedingungen der Nazi-Diktatur zu gegenwärtigem Zweck, um Walser zu zitieren, zu einem wichtigen Mittel der Entzivilisierung instrumentalisiert wird.

Sebastian Haffner erinnert sich:

„Kameradschaft gehört zum Krieg. Wie Alkohol ist sie eins der großen Trost- und Hilfsmittel für Menschen, die unter unmenschlichen Bedingungen zu leben haben. Sie macht Unerträgliches erträglich. Sie hilft, Tod, Schmutz und Jammer zu überstehen. Sie betäubt. Sie tröstet über den Verlust aller Zivilisationsgüter hinweg, den sie voraussetzt. Sie empfängt ihre Heiligung durch furchtbare Notwendigkeiten und bittere Opfer. Wo sie von alledem getrennt wird, wo sie nur um des Genusses und der Betäubung willen, um ihrer selbst willen, gesucht und veranstaltet wird, wird sie zum Laster. Dass sie eine Weile glücklich macht, ändert daran nicht das geringste. Sie verdirbt und depraviert den Menschen wie kein Alkohol und kein Opium. Sie macht ihn unfähig zum eigenen, verantwortlichen, zivilisierten Leben. Ja, sie ist recht eigentlich ein Dezivilisationsmittel. Die allgemeine Kameradschafts-Hurerei, zu der die Nazis die Deutschen verführt haben, hat dieses Volk heruntergebracht wie nichts anderes.“

Trotz und wg. berechtigter Kritik an Martin Walser:

Heiliger BimBam im Strohsack Gebälk, erst im Nachhall dieser Walser Pointe ging manchem ein Licht auf, fiel manchem ein schwerer Stein vom Herzen, weil sie begriffen, worum es ging, was Väter im Lebenslauf mit schwächer werdender Stimme ihnen ins Ohr geflüstert haben mögen, sie sollten deren Vaterlandsleichnam Rücken Last, als Last niemals hüben und drüben ohne einander aufteilen, von nun an deren Stelle achtsam tragen, weil Deutschland, geteilt, ungeteilt leben muss zu gegenwärtigen Zwecken und wenn wir sterben.

Damit erlangt so mancher einen Schimmer, dass alles noch viel dunkler, noh vile schlimmer, warum sie sich, Nachkriegs Söhne, Töchter auf unerklärliche Weise seit Kindheit, Jugendzeit verwunschen in einem Dörnröschen Winterschlaf fanden, nur noch zu Tu Nix, Null bis gar kein Bock bereit, sich auf Schultern, Rücken belastet fühlten, ohne konkret sagen zu können, wodurch, wenn ihnen dazu bisweilen war, als ob sie, depressiv machend, rätselhaft und unvermittelt ein Schatten auf ihr Gemüt legt.

Als umherschweifender statt Pontifex Anhänger Spontifex Ökopaxe Haschisch Rebell, Pausenclown Streetfighter, Spaß Guerilla in Westberlin, dem „Lacht auf ihr Völker in der Welt eine Chance zum Tanz gesellschaftlicher Verhältnisse ohne Militanz“, Pointe um Pointe wird zurückgewitzelt, Hauer um Hauer eine Gasse geschlagen, bei persönlicher Haschisch Abstinenz, vermochten viele zielstrebig Kraft durch Freude Urlaub von unerkannter Vaterlandsleichnam Rücken Last in angesagter Kuhdamm Disko Park anno 1968 zu nehmen, aber nicht wirklich

Schon war sie erdrückend wieder nah, die Last, befeuert von psychotischen Episoden, in denen Vaterlandsleichnam Stimme erklingt, sie lockend zu Veteranengesang zu ermuntern, von Endkampf Ermutigung, Ertüchtigung mit Wunderwaffen zum Letzen Gefecht der Mutter aller Schlachten in der Morgenröte bei „Viel Feind, viel Lorbeer Ehr, Eisern Ritterkreuz in Gold am Bande“, auf dem Felde vaterländischer Ehre kündet, dass sie spontan ganz auf sich zurückgefallen in verhaltensorginellem Espenlaub Zittertanz Nahkampf Verrenkungen beim Rex Gildo Song „Heissa, Hussa. „Alle Toten leben hoch“ , Hüpfen, Springen, Step by Step mit Mick Jagger elektrisierte Heuler sind „I can get no Satisfaction“ bei Twist again, Rock`n Roll Sex and Drive, Rock around the clock, Soul deutscher Udo Lindenberg, Tote Hosen Puhdy, Citi, Kraftwerk Ost Rock im Pop Galopp, zu Paarungstanz nicht fähig sind, denn die Vaterlandsleichnam Rücken Last will unter angestrengtem Kraftaufwand beim Tanze mit bewegt sein, zu gegenwärtigen Zweck, diese schmerzfrei still zu halten.

Auf diesem magnetischen Untergrund wird vielen kund, warum sie Wege zu Gräbern Verwandter jahrzehntelang eher mieden, weil sie ihren Vaterlandsleichnam Anteil auf dem Rücken ja, so die verwunschene Losung, nicht einfach begraben durften, denn im Dritten Reich Regime galt das Führer Dekret, gefallen deutsche Soldaten durften nicht daheim in deutscher Muttererde, sollten in besetzen Gebieten in fremder Erde auf Soldatenfriedhöfen begraben sein, denn andernfalls könnte die reichsdeutsche Bevölkerung, angesichts wirklich anhaltend hoher Zahl deutscher Gefallener beunruhigt sein.

Tu Nix, Null bis gar kein Bock der mögliche Zusammenhang mit dem Vaterlandsleichnam Syndrom, gelten nach allgemeinem Wissensstand bisher unerforscht als unbekanntes Syndrom und Krankheitsbild mit mächtiger Verbreitungsdynamik in Zeiten staatlicher Fusionen von Ländern, Fusionen nationaler Unternehmen zu multinational intransparenter Großstruktur mit Karrierepotential für immer weniger Spitzenpersonal, bei gleichzeitig drohendem Verfall der Vaterländer in die Bedeutungslosigkeit, nicht mehr ein Ganzes, sondern als Teil eines Ganzen in diesem zu entschwinden.

Ohne erkennbaren Impetus zu Krankheitseinsicht, vereint Martin Walser die Wortverknüpfung aus Vaterland, Leichnam zu Vaterlandsleichnam als „Seelen Totem“ erstmalig in genannter Rede „Über Deutschland reden“ 1988 in radikaler Unschärfe ins Feld, dass sich viele dieser rundum eingestanden, uneingestanden anzudocken vermögen, oder nicht, dass viele ihm noch heute, gleich in welcher Intention zu gegenwärtigem Zweck er dies damals tat, auf ihrem weiteren Seelen Erkundungspfad als Kriegskind, Jahrgänge 1934-1954, überaus dankbar verbunden bleiben.

Heute, Sonntag, 24. März 2019 wird Martin Walser 92 Jahre alt.

Joachim Petrick